Dion

Blues mit Freunden

Der Sänger und Gitarrist Dion hat im Alter von 81 Jahren das schönste Album seiner Karriere veröffentlicht: „Blues with Friends“. Die Freunde, mit denen er den Blues spielt, können sich sehen lassen: Joe Bonamassa, Van Morrison, Paul Simon, Bruce Springsteen, Billy Gibbons Rory Block, Stevie van Zandt, Jeff Beck…

In der Rock and Roll Hall of Fame

Yo Frankie

Wenn man die Blues, Bluesrock und Folksongs dieser Platte hört, mag man es kaum glauben, dass dieser Mann seine ersten Erfolge in den späten 1950er Jahren mit zuckersüßen Songs wie „Teenager in Love“ oder „Where Or When“ seines Vokalquartetts „Dion and the Belmonts“ feierte. Dino trennte sich 1960 von den Belmonts, wandelte auf Solopfaden und kam zum Blues. 1989 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Im selben Jahr glänzte er mit dem vorzüglichen Album „Yo Frankie“, auf dem er bereits eine illustre Gästeschar präsentierte: Bryan Adams, k.d. lang, und Patty Smith. An der Gitarre war Dave Edmunds zu hören, der das Album auch produziert hatte.

Nun also, gut 30 Jahre nach diesem Glanzstück der Blues mit Freunden. Dion hat nichts von seiner Sangeskunst verloren. Man höre sich nur sein Duett mit Van Morrison „I Got Nothin‘“ an. Er habe den Song geschrieben, als ihm nichts einfiel, erzählt er. „Weißt du wie es ist, wenn du dich hinsetzt, um einen Song zu schreiben, aber es fällt dir nichts ein? Ich hatte einen von diesen Tagen. Ich hatte dieses Gefühl und das ist, was herauskam. Ich hatte nichts und nichts ist genug! Es ist mehr als genug, besonders wenn du es mit Van Morrison singst. Es ist wie die größte Welle der Welt reiten“, sagt Dion. Joe Louis Walker untermalt den Gesang der beiden mit seiner Gitarre. Wunderbar!

Mit Paul Simon singt Dion den anrührenden „Song for Sam Cooke (Here in America“), der wie ein Kommentar zum neu aufgeblühten Rassismus in den USA anmutet. Dion erinnert sich, wie er 1962 mit Cooke im Süden der USA unterwegs war. Der Song habe lange in seiner Schublade gelegen und er habe ihn wieder hervorgeholt, als er 2019 den Film „Green Book“ gesehen hatte, erzählt Dion. Der auf tatsächlichen Ereignissen basierende Film erzählt die Geschichte des schwarzen Pianisten Don Shirley und seines weißen Fahrers Tony Lip, die in den 1960er Jahren auf einer Konzert-Tournee in den Südstaaten rassistischen Terror erleben.

Die Slide-Giarren schreien, jammern, flehen

Zu den Höhepunkten der Platte gehört „Told You Once in August“ mit Rory Block und John Hammond an den Slide-Gitarren. Hammond ist auf dem rechten Stereo-Kanal zu hören, Block auf dem linken. „Ich habe versucht die aufkeimende Wut eines Mannes zu beschreiben, der gerade begreift, dass er von seiner Frau falsch behandelt wurde“, sagt Dion. Block und Hammond lassen ihre Gitarren schreien, jammern, flehen. Rory Block singt dazu mit Dion. Gänsehautmusik!

Patti Scialfa und Bruce Springsteen beschließen das Album mit „Hymn To Him“. Den Song hatte Dion auf seiner 1987er Gospel-Platte „Velvet & Steel“ veröffentlicht. Scialfas Gesang begleitet Dion und Springsteen steuert ein herzhaftes Gitarrensolo bei. Die beiden machen den Song „irgendwie erhaben“, sagt Dion.

Bob Dylan schreibt in seinem Vorwort zum Begleitheft der CD, Dion wisse, wie der Blues zu singen ist und kenne den richtigen Weg, diese Songs zu Kunstwerken zu machen . Dion habe einige Freunde, die ihm helfen, einige wirkliche Koryphäen. Aber am Ende sei es Dion selbst und seine meisterliche Stimme, die dazu führen, dass der Hörer diese Blues-Songs mit ihm teilen kann.

Wie wahr. Ich höre mir jetzt nochmal den Stumblin Blues an, den Dion grandios solo singt, wobei Jerry Vivino seinen Gesang wunderbar auf dem Saxophon untermalt.

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