Die zehn besten Blues-Rock-Platten

Von Canned Heat bis Stone The Crowstopten

Der Blues-Rock entstand aus dem englischen Blues-Revival der Bands wie Blues Incorporated, Bluesbreakers, Yardbirds, Rolling Stones, Animals oder Fleetwood Mac. Von der Insel schwappte diese Musik zurück in die USA und wurde von Bands wie Blues Projekt, Paul Butterfield Blues Band, Siegel-Schwall-Band oder Canned Heat und Musikern wie Jimi Hendrix, Johnny Winter oder Michael Bloomfield aufgegriffen. Hier sind die zehn besten Blues-Rock-Platten:

1. Canned Heat: Living The Bluescannedheat

Die US-amerikanischen Blues-Enthusiasten um Alan Wilson und Bob Hite auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Mit Spielfreude und Können zelebrieren sie den Blues. Die Doppel-LP ist voller Anspielungen und Zitate. Das Stück „Goin‘ Up The Country“ wurde ihr größter Hit. Das knapp 19 Minuten lange „Parthenogenesis“ ist eine Tour durch die Blues-Geschichte. Der sich über zwei Plattenseiten erstreckende, über 40 Minuten lange „Refried Boogie“ gibt den Musikern Raum für Soli, den sie virtuos nutzen. Canned Heat hat den Blues gelebt und mit „Living The Blues“ ein unerreichtes Meisterwerk geschaffen

2. Fleetwood Mac: The Play Onfleetwoodmac1

Das vielseitigste Album des britischen Urgesteins des Blues-Booms. Die Band um Gitarren-Legende Peter Green hatte sich vom klassischen Blues-Muster gelöst. Mit Danny Kirwan und Jeremy Spencer standen ihm gleich zwei weitere Gitarristen des Extraklasse zur Seite, dazu die Solide Rhythmusgruppe aus Mick Fleetwood (Schlagzeug) und John McVie (Bass). „Then Play On sollte völlig anders – und besser – werden als alles, was Fleetwood Mac bis dahin gemacht hat“, erinnert die Mick Fleetwood. Wie wahr.

3. Savoy Brown: A Step FurtherSavoyBrown1

Der Band um den Ausnahmegitarristen Kim Simmonds blieb großer Ruhm versagt – zu Unrecht. Oliver Hüttenrauch schreibt in seinem Buch „Eric Clapton & Co – Die großen Bluesrock-Gitarristen“, Simmons sei der „am stärksten unterbewertete weiße Bluesrock-Gitarrist überhaupt“. Nach einigen Sound-Experimenten war „A Step Further“ ein Schritt zurück zum herzhaften Boogie. Den zelebriert die Band in dem gut 20 Minuten langen Stück „Savoy Brown Boogie“, ein genialer Mix aus den Stücken „Feel‘ So Good“, „Whole Lotta Shakin‘ Goin‘ On“, „Little Queenie“, „Purple Haze“ und „Hernando’s Hideway“. Die Studio-Seite der Platte präsentiert unter anderem das Instrumental „Waiting In The Bamboo Grove“, das Simmonds hervorragendes Gitarrenspiel belegt.

4. Eric Burdon & Jimmy Witherspoon: Guiltyburdon

Der Sänger, der mit den Animals englische Blues-Geschichte geschrieben hatte, nahm mit dem schwarzen US-amerikanischen Blues-Shouter dieses grandiose Album auf. Beleitet von hervorragenden Musikern, darunter die San Quentin Prison Band, legen die beiden herrliche Duette hin, in denen sie sich zu immer neuen Höchstleistungen herausfordern. Man höre sich nur „Soledad“ und „The Times Has Come“ an. In „Have Mercy Judge“ wird das Duett der beiden durch eine wimmernde Slide-Gitarre untermalt.

5. Siegel-Schwall-Band: samesiegel

Das Quartett gehörte zur ersten Garde der weißen amerikanischen Blues-Szene. Das schlicht Siegel-Schwall-Band betitelte Live-Album von 1970 war ihre erste Platte für ihr neues Label Wooden Nickel und fiel deutlich rockiger aus als die zuvor für Vanguard eingespielten drei Alben. Das 11-Minuten-Stück „Hush, Hush“ zeigt die Virtuosität der Band und demonstriert das herausragende Mundharmonikaspiel Siegels. Drei Jahre später spielte die Band übrigens mit dem San Francisco Symphonie Orchestra „Three Pieces For Blues Band And Symphonie Oorchestra“ ein, eine der ungewöhnlichste Aufnahmen in der Blues-Geschichte: Siegel hält mit seiner Harmonica das Orchester in Atem.

6. Hot Tuna: Phosphorescent Rathottuna1

Der Jefferson-Airplane-Ableger hatte die akustischen Pfade verlassen und rockte kräftig los. „Das ganze rollt und fließt dahin mit einer unverkrampften Leichtigkeit, relaxed und ausgeglichen und ohne falsche Ambitionen, wie man es nur noch selten zu Ohren bekommt“, staunte damals die Musikzeitschrift Sounds. Paul Kantner und Jack Cassady hatten sich immer weiter vom Airplane abgenabelt und Hot Tuna zu einer eigenständigen Formation entwickelt. Im Gegensatz zur ungleich erfolgreicheren Ursprungsband besteht Hot Tuna noch und hat 2011 mit „Steady As She Goes“ eine ganz starke Scheibe eingespielt.

7. Rory Gallagher: Irish Tour ’74gallagher1

Dass Gallagher mit der Irish Tour in die Top Ten der Blues-Rock-Alben vorstoßen konnte, verdankt er seinem Publikum, das die Doppel-LP zu einem unvergleichlichen Live-Album macht: Es feuert den Gitarristen an, klatscht den Takt, singt mit. „Zwar setzt er keine neuen künstlerischen Maßstäbe, dafür garantiert er eine blitzsaubere, impulsive Spielweise, die zuweilen auch Heavy-Metall-Riffs und Country-Klönge integriert“, urteilt Christian Graf in seinem Rock Musik Lexikon über Gallagher. In dem Konzert greift der Ire zur akustischen Gitarre und zur Mundharmonika und spielt eine beeindruckende Version des Tony-Joe-White-Songs „As A Crow Flies“. Beim folgenden „A Million Miles Aqway“ lässt er den die Elektrogitarre schweben und krachen, dass es eine Freude ist – für das Konzert-Publikum wie den Hörer der Konserve.

8. Jimi Hendrix: Cry Of Love hendrix

Die letzte von Hendrix autorisierte Platte, die aber erst 1971, nach seinem Tod, veröffentlicht wurde. „Noch einmal ließ er seinen schnellen Fingern, schneidenden Riffs und lasziven Vokal-Phrasen freien Lauf“, urteilt Christian Graf in seinem Rock-Lexikon. Der Saiten-Zauberer hat „das Klangspektrum seiner Gitarre durch weitere elektronische Manipulationen noch bereichert und spielt einige Soli, die man gehört haben sollte“, meinte Sounds damals. Die Kritiker waren von der platte ganz angetan und sie wurde die erfolgreichste aller posthum veröffentlichten Hendrix-Platten – völlig zu recht.

9. John Dummer’s Famous Music Band: Samedummer
Der Blues-Boom ebbte ende der 60er Jahre in England ab. John Dummer nannte seine Blues Band in Famous Music Band um. Der Multi-Instrumentalist Nick Picket war zur Gruppe gestoßen und prägte mit seiner Geige den neuen Sound, der aber weiter im Blues fußte. Bei „Searching For You“ greift die Band den Swamp-Rock-Stil von Creedence Clearwater Revival auf und fügt einige Elemente des frühen britischen Blues dazu – ein fetziges Gebräu. „Nine By Nine“ ist ein jazzbasiertes Instrumental, bei dem Pickets Violinspiel dominiert – das Stück ist weit weg vom Blues-Rock, aber wunderschön.

 

10. Stone The Crows: Samecrows

Magie Bell prägte mit ihrem eindringlichen Gesang den Sound von Stone The Crows. Auf diesem Debüt-Album der Band teilt sie sich denGesang gelegentlich mit Jimmy Dewar. Diese Stücke unterstreichen aber nur Bells Ausnahme-Klasse: sie singt ihren Partner an die Wand. Les Harvey an der Gitarre und die übrigen Musiker weben eine Klangteppich, der wie angegossen zur Bells expressivem Gesang passt. „Bei Sängerin Maggie Bell denkt man zuerst an eine Schwarze, so expressiv singt sie den Blues“, urteilte ein zeitgenössischer Kritiker. „Fool On The Hill“ von Lennon/McCartney wird bei ihr zum Blues-Klassiker. Im knapp 19-Minuten-Stück „I Saw America“ verarbeitet die Band ihre USA-Reise. „Es hat vier Teile und beginnt mit den verschiedenen Staaten, die wir besuchten, vom tiefen Süden bis Kalifornien. Wir versuchen musikalisch zu beschreiben, wie wir uns an den verschiedenen Orten fühlten“, erklärte Bell. Unter anderem erklingt in dem epischen Stück eine Homage an die Mothers Of Invention.

3 Gedanken zu „Die zehn besten Blues-Rock-Platten

  1. Ganz nette Scheiben, aber da fehlen doch ganz wichtige und wegweisende Bluesrock-Scheiben wie
    Sam Apple Pie
    Black Cat Bones
    Cream – Disraeli Gears
    Steamhammer MK II
    Beverly Joe Scott – Live
    Allman Brothers 1
    Barefoot Servants
    Johnny Winter -. The Progressive Blues Experiment u.a.
    John Mayall – Blues From Laurel Canyon
    John Mayall – The Turning Point
    Juicy Lucy
    und Ten Years After – Shh oder Stonehenge
    um nur einige herausragende zu nennen.
    Hab ich übrigens alle auf der Festplatte – kannst sie Dir gerne mal anhören – wirklich phantastischer Bluesrock!
    Liebe Grüße
    Stefan

  2. Zu Hot Tuna: Schön, diese Band im Ranking zu finden. Eine kleine Korrektur muss ich dennoch anbringen: Es war Jorma Kaukonen (nicht Paul Kanter), der sich mit Jack Cassady von Jefferson Airplane loslöste und Hot Tuna gründete.
    Bluesgruß, Hitsch

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