Coverversionen

Alben komplett nachgespielt

Neuinterpretationen einzelner Songs gibt es unzählige, nicht selten sind sie erfolgreicher als die Originale. Eher selten werden dagegen ganze Alben neu eingespielt. Hier sind drei herausragende Beispiele für die Neueinspielung ganzer Alben von anderen Künstlern: „Taking Tiger Mountain By Strategy“, „John Wesley Harding“ und „Songs For Beginners“.

Taking Tiger Mountain By Strategy

Brian Eno schuf 1972 mit Hilfe von Phil Manzanera und Andy Mackay, zwei Kumpel aus seiner Zeit bei Roxy Musik, sowie Robert Waytt (Mitgründer von Soft Machine) und Phil Collins (Genesis) sein avantgardistisches Werk „Taking Tiger Mountain By Strategy“. Er beweise mit dieser Platte „wie viel musikalische Freiheit und Unabhängigkeit in seinem Kunstköpfchen steckt“, lobte damals die Musikzeitschrift „Sounds“. Fans dieser Platte wurden auch der Multiinstrumentalist Doug Hilsinger (drums, bass, guitar, pedal steel, sitar gitar, melodica, glockenspiel, autoharp) und die Sängerin Caroleen Beatty, die zuvor bei den Bedlam Rovers gesungen hatte. Als Duo spielten sie ohne jeden weiteren Musiker Enos Platte neu ein, und zwar so gut, dass der Urheber selbst begeistert war: „I don‘t often listen to my own records after they‘re finished, but hearing this one as through someone else‘s ears and mind had a powerful effect on me. I thought ‚How sympathetically done! And actually … they aren‘t bad songs after all‘.“

John Wesley Harding

Die englische Singer/Songwriterin Thea Gilmore wagte sich an eine Platte, die zu den Meilensteinen der modernen Pop-Geschichte gehört: Bob Dylans „John Wesley Harding“. Mit diesem Werk war der Meister 1968 nach seinem schweren Motorradunfall auf den Musikmarkt zurückgekehrt. Die in Nashville produzierte Country-LP „ließ einen zu genialer Einfachheit gereiften Rock-Moralisten erkennen“, schreibt das „Das neue Rock-Lexikon“. Gilmore hat gewagt und gewonnen: Sie interpretiert die 12 Dylan-Songs ganz wunderbar. Aus „As I Went Out One Mornig“ macht sie eine erhabene Hymne. „Drifters Escape“ kommt kräftig rockend daher. „Dear Landlord“ bringt sie als ergreifende Ballade, nur von Klavier und Slide-Gitarre begleitet. Allenfalls „All Along The Watchtower“ und „I‘ll Be Your Baby Tonight“ fallen gegenüber den Originalen etwas ab. Aber: Besser sing als Dylan kann Thea Gilmore allemal.

Songs For Beginners

Graham Nash, der mit den „Hollies“ und der Supergroup „Crosby, Stills, Nash and Young“ Erfolge gefeiert hatte, betrat 1971 mit seinem Solowerk „Songs For Beginners“ den Schallplattenmarkt. Mit „Chicago“ enthielt das Album einen der bedeutendsten Protestsongs jener Zeit. Nashs Tochter Nile trommelte knapp 40 Jahre später eine illustre Musikerschar zusammen, um die Platte ihres Vaters unter dem Titel „Be Yourself“ neu einzuspielen. Die Neuinterpretationen der elf Songs müssen sich vor den Originalen nicht verstecken, im Gegenteil. Nile selbst glänzt mit zwei Songs: „Wounded Bird“ und „We Can Change The World“. Höhepunkt der Platte ist der Klassiker „Chicago“, den die Band „Sleepy Sun“ entstaubt und mit geradezu bedrohlicher Intensität spielt – zum Niederknien. Alele Diane entzückt mit „There‘s Only One“ und Mariee Sioux betört mit „Sleep Song“. Grandios auch, wie Bonnie „Prince“ Billy „Simple Man (Hombre Sencillo)“ auf Spanisch singt.

So schön können Neuinterpretationen von klassischen Alben der modernen Rock-, Pop- und Folkmusik sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.